Arbeitskreis zur Neuorganisation des ÖPNV am Neumarkt diskutiert vier verschiedene Linienführungen

Planungsvariante A, Grafik: Matthias Schmechtig NahverkehrsConsult

Am Ende der zweiten Sitzung formuliert Frank Otte das Zwischenergebnis so: „Jede Variante hat ihre Vorzüge. Alle haben auch Nachteile und Punkte, die zu überprüfen sind.“ Zuvor hatte der Arbeitskreis „Neuorganisation des ÖPNV in der Osnabrücker Innenstadt“ drei Modelle zur Umstrukturierung des Busverkehrs diskutiert, Fragen und  Änderungsmöglichkeiten angemerkt
– und auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass es bei der derzeitigen Linienführung über den Neumarkt bleiben könne. Die Varianten hatte Mathias Schmechtig erarbeitet. Der Inhaber von NahverkehrsConsult aus Kassel war von der Verwaltung mit dieser Aufgabe betraut worden.

Der Arbeitskreis geht zurück auf einen Beschluss des Rates der Stadt Osnabrück. Er hatte im September 2017 die Verwaltung damit beauftragt, Möglichkeiten für die Reduzierung oder Vermeidung von Busverkehr am Neumarkt untersuchen zu lassen. In der zweiten Sitzung waren 20 Vertreterinnen und Vertreter der Ratsfraktionen, der Planungsgesellschaft Nahverkehr (PlaNOS), der Umwelt- und Verkehrsverbände, der Wirtschaft, des Fahrgastbeirats und weiterer Verbände dabei.

Um den Busverkehr vom Neumarkt zu verlagern oder ihn dort zu minimieren, hat Mathias Schmechtig in den drei neu erarbeiteten Modellen andere Routen und Verknüpfungspunkte – so genannte Zentralhaltestellen“ – untersucht, über die der Busverkehr stattdessen fahren könnte. Vor allem die Frage, welche Straßen dazu geeignet sind, mit Bussen befahren zu werden, beschäftigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der anschließenden Diskussion. Aber auch Fragen nach der räumlichen Möglichkeit, die Verknüpfungspunkte an den genannten Stellen tatsächlich auszubauen, die
Verlängerung der Fahrtzeiten, Umwege im Vergleich zum bisherigen Busnetz und die Distanz zwischen einzelnen Haltestellen waren Thema. Diskutiert wurden die Erreichbarkeit von Parkhäusern in der Innenstadt oder Wendemöglichkeiten der Busse und weitere Fragen. Auch die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums für Menschen aus den Gemeinden im Umland Osnabrücks hoben die Sitzungsteilnehmer als wichtig hervor. Zudem thematisierten sie die neue Linienführung, die die Stadtwerke zwei Tage vor der Sitzung des Arbeitskreises vorgestellt haben. Hierzu fragten mehrere Teilnehmer, ob dies Auswirkungen auf die Überlegungen des Arbeitskreises zum Neumarkt hätte. Dazu hieß es von PlaNOS: „Das ist kein Systemwiderspruch. Es wird lediglich eine Feinjustierung notwendig sein.“

Entstanden sind die drei aktuellen Varianten aus sieben Grundansätzen, die Mathias Schmechtig in der ersten Sitzung des Arbeitskreises im April vorgestellt hatte. Im Anschluss hatte er diese weiter ausgearbeitet und im Mai eine Umfrage unter den Fahrgästen am Neumarkt durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten, dass nur eine Kombination verschiedener Aspekte aus den sieben Modellen weiterführen könnte. Aus diesen hat er wiederum drei Varianten für die zweite Sitzung des Arbeitskreises erarbeitet. Dazu hatte Schmechtig die Ausgangslage formuliert und folgende Punkte hervorgehoben: Der ÖPNV ist zweipolig ausgerichtet – vor allem auf den Neumarkt, aber auch auf den Hauptbahnhof, wobei alle Linien auf den Neumarkt orientiert sind. Die Busse erschließen die Innenstadt flächendeckend. Das aktuelle Liniensystem zeichne sich dadurch aus, dass es übersichtlich und für die Kunden leicht zu verstehen sei. Auch das seien wesentliche Aspekte, die die neue Struktur erfüllen muss, um Buskunden zu halten.

Schmechtig und Moderator Jens Stachowitz verwiesen während der Sitzung auf die Ziele einer möglichen Umgestaltung: Demnach soll sie laut Rat, „die Erreichbarkeit der Innenstadt mindestens auf dem heutigen Niveau erhalten sowie die Verbindung zwischen den Stadtteilen optimieren, um so den ÖPNV insgesamt zu stärken und die Nutzerzahlen zu erhöhen.“ Dahingehend wird Schmechtig die Varianten und die im Arbeitskreis erarbeiteten Anmerkungen unter folgenden Aspekten prüfen: Die Entlastung des Neumarkts, die Verträglichkeit mit dem gesamten ÖPNV-System und den übrigen Verkehrsarten der Stadt und die ökonomischen Auswirkungen – das heißt, die Finanzierbarkeit. Nach der Berücksichtigung aller Punkte wäre es tatsächlich denkbar, dass der Ist-Zustand als die sinnvollste Variante fortgeführt werde.

Zu entscheiden wird also nicht nur über drei Varianten sein, sondern über vier mögliche Führungen der Buslinien. „Um die richtige Entscheidung zu treffen, müssen wir alle Faktoren sensibel ewerten“, betonte Schmechtig, der zu Beginn der Veranstaltung aufgezeigt hatte, wie gravierend sich eine Veränderung in der Linienführung auf die Nutzung des ÖPNV auswirken könne. Er nannte die Beispiele Coburg, wo 2003 eine tiefgreifende Neuordnung des Bussystems vorgenommen war, sowie Münster, wo bis zum Jahr 2001 weitgehend alle Linien durch die Altstadt geführt worden waren. In beiden Städten habe sich gezeigt, dass es bei Nicht-Verstehen oder Nicht-Akzeptanz der Veränderungen zu einem dramatischen Rückgang der Fahrgastzahlen kommen könne, die sich allerdings in den Jahren danach wieder relativiere, beispielsweise durch stringente Marketingmaßnahmen, so Schmechtig.

Die drei Planungsvarianten wurden von Mathias Schmechtig am 14. Juni im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Anschließend wird er Veränderungsund Ergänzungsvorschläge einarbeiten und die arianten im Vergleich mit dem heutigen Busnetz umfassend bewerten. Am 29. August wird der Arbeitskreis dann in seiner abschließenden Sitzung diskutieren, welcher Vorschlag dem Rat der Stadt zur Entscheidung im Oktober dieses Jahres vorgelegt werden soll.

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Eine Antwort auf „Arbeitskreis zur Neuorganisation des ÖPNV am Neumarkt diskutiert vier verschiedene Linienführungen“

  1. Guten Morgen,
    ich finde die Pläne sehr interessant und man sieht die Mühe, die Sie sich gemacht haben.
    Mein persönlicher Favorit wäre Plan A.
    Entweder ganz oder gar nicht.
    So steigt auch die Möglichkeit, dass der Neumarkt einmal autofrei und dafür Fußgängerzone werden könnte – dann ein Platz mit Flair und der Einladung sich dort aufzuhalten.
    Wie schön ist es jetzt schon am Nikolaiort – fast ein bisschen Amsterdamer Flair. Bunt, gesellig und lebendig. Ein Platz der Begegnungen. Umso schöner und attraktiver wäre Osnabrück mit einer solchen zweiten Begegnungsstätte. Auch für unsere Nachbarstädte.
    Und wir kämen den Münsterranern ein bisschen näher in der „Schöngestaltung“ einer Stadt.
    Herzliche Grüße
    Anke Röbbelen

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